Geistliche Impulse

Andachten, Predigten, Gedanken zum Monatsspruch oder die Zeitungskolumne „Mittendrin“ vermitteln geistliche Impulse

Geistliche Impulse erhalten Sie in unserer Gemeinde nicht nur in den Gottesdiensten und Veranstaltungen, sondern auch regelmäßig im Gemeindebrief  und im Westfälischen Volksblatt.

„Mittendrin“ ist eine ökumenische Kolumne von Dom und Abdinghof im zweiwöchentlichen Rhythmus im Westfälischen Volksblatt. 

Mittendrin am 16.6.2018 - Das Glück des Findens

Der 13-jährige Luca fand am Anfang diesen Jahres auf einem Acker auf der Insel Rügen eine kleine Münze. Er schenkte ihr zunächst keine große Bedeutung, informierte aber als Hobby-Archäologie die zuständigen Experten vom Landesamt. Es war eine Silbermünze aus der Wikingersiedlung Haithabu. Die anschließende Ausgrabung förderte einen Schatz von 600 Münzen zutage, die dem legendären Dänenkönig Harald Blauzahn aus dem 10. Jh. zugeordnet werden konnten. Das Glück des Finders ging auf eine systematische Suche mit Metalldetektor und GPS-Geräten zurück. Die Freude war groß, bei allen Beteiligten.

Nicht jeder hat ein solch spektakuläres Finderglück. Aber wer schon einmal verzweifelt seinen Haustürschlüssel, sein Portemonnaie oder ein wichtiges Dokument gesucht hat, weiß um das Gefühl, das ersehnte Stück wiedergefunden zu haben.

Eine Frau, die zehn Silbergroschen besitzt, sucht einen verlorenen Groschen. Sie stellt das ganze Haus auf den Kopf und sucht so lange, bis sie ihn wiedergefunden hat.

Diese Geschichte verwendet Jesus, um die Freude des Findens herauszustellen. Denn die Frau erzählt allen Nachbarinnen von ihrem Finderglück. „So wird Freude sein vor den Engeln Gottes, über einen Sünder, der Buße tut.“ (Lukas 15,10). Mit den Gleichnissen im Lukasevangelium vom verlorenen Schaf, Groschen und Sohn geht es immer um diese Freude Gottes über den Menschen, der zu ihm zurückkehrt. Es gibt sicherlich Ereignisse und Entwicklungen in unserem Leben, durch die wir uns von Gott entfernen. Aber wir können auch wieder zu ihm umkehren. Gott empfängt uns mit offenen Armen, wenn wir uns ihm wieder zuwenden. Die Freude ist groß, wenn wir uns von ihm finden lassen, auf beiden Seiten.

 

Mittendrin am 19.5.2018 - Was mich begeistert

An diesem Pfingstsamstag blicken viele nach Großbritannien, um die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle am Fernseher zu verfolgen.  Sie erfreuen sich an dem royalen Glanz, an den schönen Bildern eines Hochzeitspaares. Andere fiebern dem Finale im DFB-Pokal entgegen und hoffen auf ein spannendes Fußballspiel. Manch einer begeistert sich an seinem Hobby oder an der Schönheit der Natur. Was uns begeistert, kann sehr vielfältig sein. Be-geist-erung bedeutet, dass wir von einem bestimmten Geist erfüllt sind, der uns gefangen nimmt, der uns motiviert und anspornt, der uns Freude und Erfüllung schenkt.

Pfingsten feiern wir das Fest des Heiligen Geistes. Wir erinnern uns an die „Ausgießung“ des Geistes an die Jünger Jesu. Den Geist selbst kann man nicht sehen, wohl aber seine Auswirkungen spüren. Für die Jünger war die Erfahrung des Geistes eine Befreiung: aus der Ängstlichkeit wurde Mut, aus der Trauer wurde Freude, aus der Vereinzelung erwuchs eine Gemeinschaft. Der Geist bewirkte ein neues Verstehen. Grenzen von Sprachen und Kulturen wurden überwunden. Die neue Gemeinschaft wurde in der Entstehung einer christlichen Gemeinde sichtbar, die sich regelmäßig zum Lesen des Wortes Gottes, zum gemeinsamen Mahl, zum Gebet und zur gegenseitigen Austausch traf.

Bis heute ist die Erfahrung des Geistes Gottes in unseren Kirchen lebendig. Er gibt uns Orientierung in der Unterscheidung von Gut und Böse, er motiviert uns zum Einsatz für den Mitmenschen, er stärkt uns in der Gemeinschaft. Der Geist bleibt nicht auf die eigene Konfession beschränkt, sondern er führt uns zusammen. Diese Erfahrung von Gemeinschaft, wie wir sie auch in unseren ökumenischen Gottesdiensten erleben, kann uns im wahrsten Sinn des Wortes begeistern!

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 21.4.18 - Segen für die Lebensreise

„Segen für die Lebensreise“ – so könnte man die Feier der Konfirmation benennen, die in diesen Wochen in vielen evangelischen Gemeinden stattfindet. Denn bei der Konfirmation wird den Jugendlichen für ihren weiteren Lebensweg ein Bibelwort zugesprochen, verbunden mit einem persönlichen Segen. „Confirmatio“, das bedeutet Stärkung, Kräftigung, Befestigung im Glauben. Noch immer werden rund 90 % der Jugendlichen eines Jahrgangs konfirmiert. Sie stehen an diesem Tag, für sie meist ungewohnt, im Mittelpunkt einer Familienfeier. Mit der Konfirmation wird der Übergang vom Kind zum Jugendlichen deutlich. In ihrer Kleidung wirken sie oft schon wie junge Erwachsene. In früheren Zeiten begann nach der Konfirmation  die Ausbildung. Das ist heute anders. Die Jugendlichen erleben die Konfirmation als Abschluss Konfirmandenunterrichts, in dem sie zwei Jahre lang etwas über Themen des Glaubens und Lebens erfahren konnten. Sie sprechen ihr eigenes Jahr zu ihrer Taufe und feiern mit der Gemeinde das Abendmahl. Anschließend dürfen sie auch das Patenamt für einen Täufling übernehmen.

Die Konfirmation ist ein Einschnitt im Leben, der manchmal erst im Nachhinein als solcher wahrgenommen wird. Wenn die Jugendlichen später ihre eigenen Lebensentscheidungen treffen, sei es in beruflicher Hinsicht oder in der Partnerwahl, dann kann die Konfirmation und die Zeit des Unterrichts für sie ein Fundament ihres eigenen Glaubens sein. In der Gruppe der Konfirmanden haben sie nicht nur gelernt, was christlicher Glaube bedeutet, sondern auch eine christliche Gemeinschaft erfahren. So werden sie gesegnet für ihre Lebensreise.

Mittendrin am 24.3.2018

Vom Hosianna zum Kreuzige ihn!

 

Am morgigen Palmsonntag steht das Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem im Mittelpunkt. Gemäß der neutestamentlichen Überlieferung wird Jesus bei seinem Einzug von einer begeisterten Menschenmenge begrüßt und mit Palmzweigen willkommen geheißen: „Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.“ Was mögen die Menschen von Jesus erwartet haben? Einen König, der die Römer aus dem Land vertreibt? Einen Heilsbringer, der alle Probleme der Menschen löst? Einen Friedensstifter, der zur Versöhnung unter den Völkern ruft? Viele Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche richten sich auf Jesus, der in die Stadt einzieht. Doch eines sollte die Menschen nachdenklich machen. Jesus zieht nicht mit einer prachtvollen Kutsche ein, er wird nicht von Soldaten und Dienern begleitet, er reitet auf einem Esel. Mit dem Lasttier der einfachen Leute ist kein Staat zu machen. So wirkt die ganze Szene merkwürdig widersprüchlich. Der gefeierte König kommt ganz bescheiden und unscheinbar zu den Menschen.

Im Lauf der Karwoche wendet sich das Blatt. Aus dem gefeierten König wird der gefangen genommene, verurteilte, geschundene und verspottete König mit einer Dornenkrone. Am Ende rufen die Menschen nicht mehr Hosianna, sondern „Kreuzige ihn!“ Beide Worte sind für Jesus Stationen seines Leidensweges, der am Kreuz endet. Damit vollendet er den göttlichen Heilsweg. Zugleich gibt er ein Beispiel dafür, wie nahe Bewunderung und Ablehnung beieinander liegen können. Wer heute verehrt wird, kann morgen schon verachtet werden. Wer heute noch mächtig ist, kann morgen schon ohnmächtig sein. So lehrt Jesu Kreuzweg Demut in der Ausübung der Macht und schenkt Trost in der scheinbaren Ohnmacht. Denn am Ende steht nicht das Kreuz, sondern die Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben.

Monatsspruch April

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt, hat, so sende ich euch.“ (Johannes 20, 21)

 

Hinter verschlossenen Türen versammeln sich die Jünger am ersten Ostertag. Eine „nichtöffentliche Sitzung“ nennen wir solche Versammlungen, in denen die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist. Koalitionsverhandlungen werden hinter verschlossenen Türen geführt. Geheime Absprachen werden hinter verschlossenen Türen getroffen. Bei den Jüngern aber geht es nicht nur um den Ausschluss der Öffentlichkeit. Es ist die pure Angst, die sie dazu treibt, im Geheimen zusammenzukommen. Das ist verständlich. Haben sie doch eben erst erlebt, was mit Jesus geschehen ist, wie er am Kreuz gestorben ist. Und nun sitzen sie beieinander, voller Trauer, Ratlosigkeit und Resignation. Zorn, Enttäuschung, Verunsicherung, das Gefühl, allein gelassen zu sein, Trauer, Angst. All diese Gefühle sind in ihnen lebendig.

 Zugleich aber haben einige von ihnen bereits die Osterbotschaft gehört. Die Frauen am Grab erfahren es als erste: Christus ist auferstanden. Petrus und Johannes hören vom leeren Grab und überzeugen sich selbst. Maria von Magdala begegnet dem Auferstandenen. Zur Gewissheit wird es für die Jünger erst, als der Auferstandene sich ihnen selbst offenbart. Jesus tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch. Der Friedensgruß ist mehr als das übliche „schalom“, mit dem man sich begrüßt. Der Friedensgruß des Auferstandenen wird für sie zur Gewissheit, dass mit dem Tod am Kreuz die Sendung Jesu nicht beendet ist. Christus ist auferstanden, er ist mitten unter ihnen lebendig. Das kann nicht ohne Folgen bleiben. Aus Angst wird Mut. Aus Trauer wird Freude. Aus Resignation wird Aufbruch. Aus Enttäuschung wird Hoffnung.

 Die Jünger erhalten einen Auftrag: „Wie mich der Vater gesandt, hat, so sende ich euch.“ Sendung ist Mission. Die Jünger nehmen an der Sendung Gottes, der „missio dei“ teil. Sie werden ausgesandt, um das Evangelium zu verkündigen. Pfingsten ist bereits im Osterereignis angelegt. Es ist eine Friedensmission, an der die Jünger teilnehmen. Sie öffnen die verschlossenen Türen und gehen in die Welt. So ist es bis heute. Der Auferstandene sendet auch uns als Friedensboten in unsere Welt, in die Familie, in die Schule, in die Nachbarschaft, in die Gemeinde, an unsere Arbeitsstelle. Die Öffentlichkeit wird nicht ausgeschlossen, sondern hergestellt. Was wir selbst erfahren haben, können wir anderen weitergeben.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Osterfest!

Ihr

Eckhard Düker