Geistliche Impulse

Andachten, Predigten, Gedanken zum Monatsspruch oder die Zeitungskolumne „Mittendrin“ vermitteln geistliche Impulse

Geistliche Impulse erhalten Sie in unserer Gemeinde nicht nur in den Gottesdiensten und Veranstaltungen, sondern auch regelmäßig im Gemeindebrief  und im Westfälischen Volksblatt.

„Mittendrin“ ist eine ökumenische Kolumne von Dom und Abdinghof im zweiwöchentlichen Rhythmus im Westfälischen Volksblatt. 

Mittendrin am 29.8.2020 - Das Licht nicht auslöschen

In der Ausstellung „Leben am Toten Meer“, die derzeit im Museum in der Kaiserpfalz zu sehen ist, werden auch einige Öllämpchen aus Ton aus der Antike gezeigt. Sie waren eine weit verbreitete Lichtquelle. Man kann sich vorstellen, wie gefährdet die Flamme war, wenn ein Windhauch über sie hinweg zog. Schnell konnte die Flamme verlöschen und der Docht verglimmen. Bis heute verwenden wir das Bild vom verlöschenden Licht in unserer Sprache als Zeichen für schwindende Kräfte, für ein nahendes Ende.

Das biblische Wort für die kommende Woche lautet: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jesaja 42,3)

Es gibt Situationen, in denen wir uns „geknickt“ fühlen oder die Flamme der Hoffnung in uns erlischt:  Wenn Menschen ihre Gesundheit und Lebenskraft verlieren. Wenn enge Beziehungen zu zerbrechen drohen. Wenn die berufliche Existenz gefährdet ist. In solchen Situationen suchen wir nach dem, was uns Kraft gibt und was uns aufrechterhält. Es können Menschen sein, die uns den Rücken stärken in einer bedrohlichen Lage. Es kann ein helfendes Gespräch mit jemandem sein, dem wir vertrauen. Eine Auszeit in einer stressigen Situation. Vielleicht ein Gottesdienst, ein Gebet, eine Stille, in der wir zur Ruhe kommen. Gerade jetzt, inmitten der Corona-Pandemie brauchen wir solche Momente der Stärkung und Vergewisserung. Sie sind wichtig für unser seelisches Immunsystem. Es ist tröstlich, wenn wir spüren, dass das geknickte Rohr nicht zerbrochen und der glimmende Docht nicht ausgelöscht wird.

 

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 1.08.2020 - Licht, Leben und Zeit

Der schwedische Naturforscher Carl von Linne machte eine interessante Entdeckung. Er beobachtete, dass krautige Pflanzen regelmäßig zu unterschiedlicher Tageszeit ihre Blüten öffnen. So können die Insekten Nektar und Pollen den ganzen Tag und die Nacht über suchen und die Blüten bestäuben. Aus seinen Erkenntnissen konstruierte Linne eine Blumenuhr, die ihm angeblich mit einem Blick eine ziemlich genaue Zeitangabe ermöglichte.

Den Zusammenhang zwischen Licht, Leben und Zeit erfahren wir im Sommer ganz besonders. Das Sonnenlicht bestimmt unseren Tagesablauf, wir genießen die warmen Sommerabende. Im Urlaub nehmen wir die Natur viel bewusster wahr. Die Zeit gestalten wir anders und sind offen für neue Eindrücke und Begegnungen.

„Lebt als Kinder des Lichts. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Epheser 5, V. 8+9)

Die Aufforderung des Apostels ist nicht auf den Sommer beschränkt, aber sie ist jetzt besonders gut zu verstehen. Ein Leben im Licht bedeutet, den Anderen wahrzunehmen mit seinen jeweiligen Bedürfnissen. Wie die Blüten sich für die Insekten öffnen, um ihnen Nahrung zu geben, sind wir gerufen gütig und gerecht zu sein, Solidarität zu üben mit denen, die unter der gegenwärtigen Situation besonders leiden, der Wahrheit zum Recht zu verhelfen. So werden wir füreinander zu Licht und Leben, bringen andere„zum Blühen“, damit sie sich öffnen und entfalten können. In einem Kirchenlied heißt es:

„Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.“

 

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 4.7.2020 - Ferien in Corona-Zeiten

Ferien in Corona-Zeiten

Die Sommerferien haben begonnen – endlich! Doch in diesem Jahr stehen sie unter besonderen Bedingungen. Viele bleiben zu Hause, meiden Flugreisen oder Aufenthalte im Ausland. Andere sind in Deutschland unterwegs, wissen aber nicht, ob sie kurzfristig am Urlaubsort oder im Heimatkreis besonderen Beschränkungen unterliegen werden. Nach den Wochen des Lockdowns und den Lockerungen sind wir weiterhin auf Wachsamkeit und Vorsicht im Umgang mit dem Corona-Virus angewiesen. Dennoch sind wir froh, nun einmal durchatmen zu können. Wir kommen zur Ruhe, wir genießen die Auszeit, wir pflegen unsere Kontakte. Wir blicken zurück auf das Vergangene und sehen, wie viel sich in kurzer Zeit verändert hat. Was Digitalisierung bedeutet, ist für viele ganz konkret geworden in zahlreichen Videokonferenzen, im Home-Office und im Alltagsleben. Familien haben sich den Herausforderungen der Kinderbetreuung gestellt und sind neu zusammengewachsen. Viele müssen Einschränkungen in ihrem Beruf erleiden. Die stetige Bedrohung der Gesundheit durch das Virus ist ebenfalls eine Belastung, die auch weiterhin bestehen bleibt.

Der Wochenspruch für den kommenden Sonntag mahnt uns, dabei nicht nur auf uns selbst zu sehen: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6,V. 2) Wir sind dankbar für alle, die mithelfen, die Lasten zu tragen. Solidarität, Nächstenliebe und nachbarschaftliche Hilfe sind die positiven Erfahrungen, die wir in den letzten Monaten machen durften. Jeder kann dazu beitragen, die Krise zu bewältigen. Solidarisches Handeln macht keine Ferien.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 6. Juni 2020 - Höhere Mathematik

1+1=2. Diese mathematische Rechnung lernt schon jedes Kind. Und damit ist auch eine Grundregel des Lebens ausgedrückt. Denn es gibt Gewissheiten, die lässt man sich nicht ausreden. Man lässt sich eben kein x für ein u vormachen. In der gegenwärtigen Situation scheinen sich bei manchen Menschen jedoch die Koordinaten zu verschieben. Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Corona – Pandemie machen sich breit. Im Internet haben Lügen, Halbwahrheiten und abstruse Theorien erheblich mehr Zuspruch als nüchterne Bestandsaufnahmen und fundierte wissenschaftliche Erklärungen. Aber Millionen von Infizierten und Hunderttausende Tote sind real. Die menschlichen, psychischen und wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Vorsicht, Rücksichtnahme, Wachsamkeit und gesunder Menschenverstand sind gefragt.

1+1+1 =1. Diese Rechnung widerspricht allen mathematischen Regeln. Es ist eine theologische Aussage. Sie betrifft die Dreieinigkeit Gottes. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind drei Personen, aber ein Wesen. Sie handeln eigenständig und sind dennoch nicht voneinander zu trennen. So sagt es das alte Glaubensbekenntnis der Kirche. Am morgigen Fest Trinitatis steht die Dreifaltigkeit Gottes im Mittelpunkt. Gott begegnet uns als der Schöpfer und Erhalter unseres Lebens. Christus ist der Erlöser von den Sünden und der Heilige Geist ist der Beistand und Tröster. Wir ordnen den göttlichen Personen gemäß dem biblischen Zeugnis bestimmte Eigenschaften und Aufgaben zu. In der christlichen Kunst wird die Trinität oft als Dreieck dargestellt, um die Dreiheit in der Einheit abzubilden. Können wir die Trinität wirklich verstehen? Der evangelische Theologe Philipp Melanchthon sagt: "Die Geheimnisse der Gottheit sind besser anzubeten als zu erforschen." Der Glaube an den Dreieinigen Gott hat gerade in der gegenwärtigen Situation auch praktische Konsequenzen: Wir treten ein für den Schutz des Lebens. Wir wissen, dass Menschen Fehler machen können. Wir bilden eine Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 9.5.2020 - Der Klang der Schöpfung

„Ich wollte von Herzen gern diese schöne und köstliche Gabe Gottes, die freie Kunst der Musica, hoch loben und preisen. Weil diese Kunst von Anfang der Welt allen Kreaturen von Gott gegeben und von Anfang mit allen geschaffen ist, denn da ist mitnichten nichts in der Welt, das nicht ein Schall und Laut von sich gebe.“

Mit diesen Worten stellt Martin Luther der Musik ein besonderes Zeugnis aus. Alle Kreaturen sind mit einem Klang begabt. Die ganze Welt ist ein einzigartiger Klangraum. Die Schöpfung singt ein fröhliches Lied auf den Schöpfer. Auch wir sind eingeladen, in dieses Lob mit einzustimmen. Doch nicht immer ist uns zum fröhlichen Gesang zumute. Manchmal stimmen wir auch eher ein Klagelied an. Die Musik ist eine Grundkonstante unseres Lebens, die unsere Gefühle und Stimmungen auf unterschiedlichste Weise ausdrücken kann. Für Luther gehört der Gesang zum Gottesdienst.

Dort  soll "nichts anderes geschehen, als dass unser lieber Herr mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum ihm antworten in Gebet und Lobgesang". Deshalb fällt es uns schwer, wenn wir in der gegenwärtigen Situation auf den Gesang der Gemeinde im Gottesdienst verzichtet müssen. Das Lob Gottes kann uns aus Verzagtheit und Resignation erheben, kann uns Mut und Zuversicht vermitteln.

Der Sonntag (10.05.2020) „Kantate“, d.h. „Singet“, fordert uns auf: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ (Psalm 98, Vers 1) Das neue Lied will Traurige wieder fröhlich machen, müde Gewordene stärken, Ängstliche ermutigen. Das neue Lied ist das Lied der Hoffnung und Befreiung. Wenn wir schon nicht in Gemeinschaft singen können, dann vielleicht nur für uns selbst. Auch so können wir in den Klang der Schöpfung einstimmen und die Musik als Gottes Gabe erfahren.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 12.4.2020 - Der Sieg des Lebens

Dieses Osterfest ist ganz anders, als wir es gewohnt sind: die Beschränkung auf ganz wenige Kontakte, der Verzicht auf Besuche und Reisen, die Einschränkungen des alltäglichen Lebens. Und: keine gemeinsamen Ostergottesdienste in der Kirche. Es fällt uns schwer, auf das Gewohnte zu verzichten. Aber viel schwerer würde es sein, wenn wir uns von geliebten Menschen verabschieden müssten, weil wir die notwendigen  Verhaltensweisen nicht beachteten. Jeden Tag nehmen wir die Nachrichten über die Anzahl der Verstorbenen wahr, in unserem Land und überall auf der Welt. Der Tod durch das Corona-Virus ist allgegenwärtig.

 „Christus spricht: Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Wir haben als Menschen keine Schlüsselgewalt über den Tod. Wir stehen ohnmächtig daneben, wenn wir sehen, wie die Macht des Todes nach uns greift. Aber gerade darum ist die Botschaft von der Auferstehung Jesu so wichtig. „Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben ‘rungen, das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen.“ Mit diesem Osterlied bringt Martin Luther die Hoffnung auf die Überwindung des Todes zum Ausdruck. Christus hat den Tod und seine Macht überwunden. Er hält die Schlüssel für die Tür zum Leben in seinen Händen. Darauf vertrauen wir, wenn wir dem Tod so machtlos gegenüberstehen.

 Darum feiern wir Ostern, - auch ohne manche Bräuche und Gewohnheiten - als Sieg des Lebens über den Tod. Mit einem Gottesdienst im Fernsehen, im Rundfunk oder im Internet in der Gewißheit, dass wir gemeinsam in der österlichen Freude verbunden sind. Ich wünsche Ihnen, dass diese Botschaft Ihnen Kraft, Hoffnung und Durchhaltevermögen schenkt und grüße Sie mit dem Ostergruß aus dem Evangelium: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Ausschnitte aus UK

Aus UK 15

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Aus UK 14

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Mittendrin am 14.3.2020 - Kein Blick zurück?

Rückblicke können schön sein. Ein Jubilar blickt voller Dankbarkeit auf ein langes und erfülltes Leben zurück. Eine Firma feiert ein hundertjähriges Bestehen und verteilt an die eingeladenen Gäste ein Heft mit Fotos aus der Vergangenheit. Ein gelungenes Fest bleibt in guter Erinnerung. Wenn wir zurückblicken, gewinnen wir Bestätigung und Zuversicht für die Zukunft. Wir rufen uns in Erinnerung, was wir gut gemacht haben und ziehen daraus Rückschlüsse für das Verhalten in der Zukunft.

„Schaut nicht zurück!“ sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9,62) Sein Beispiel ist verständlich. Wie soll ein Landwirt eine gerade Ackerfurche ziehen, wenn er immer wieder zurückblickt auf das, was er gerade getan hat? Er braucht eine Perspektive, den Blick nach vorn, auf ein Ziel, an dem er sich orientiert. Das Reich Gottes ist keine Verklärung der Vergangenheit, sondern ein Auftrag zur Gestaltung für die Gegenwart und Zukunft.

Derzeit hat uns das Corona-Virus fest im Griff. Rückschlüsse aus der Vergangenheit mit ähnlichen Situationen sind offensichtlich schwierig. Prognosen für die Zukunft allerdings auch. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung für alle Beteiligten. Was wir brauchen, sind gemeinsame Anstrengungen und vernünftige, angemessene, ggf. auch unpopuläre Entscheidungen, aber keine vorschnellen Schuldzuweisungen. Rücksichtnahme und Solidarität, Verständnis und entschlossenes Handeln sind gefragt. Der Blick richtet sich nach vorn, auf das Ziel, mit Mut und Zuversicht.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 15.2.2020 - Die Kraft des Wortes

„Worte sind die mächtigste Droge, welche die Menschheit benutzt.“ Dieser Ausspruch des Schriftstellers Rudyard Kipling scheint sich in Zeiten „sozialer Medien“ immer mehr zu bestätigen. Twitter-Nachrichten sind schnell geschrieben und verschickt und damit überall verbreitet. Auch wenn sie anschließend wieder gelöscht werden, bleiben sie doch meist im Internet erhalten. „Was schert mich mein Geschwätz von gestern!“ könnte man mit einem alten Sprichwort antworten. Doch diese Haltung kann im Zeitalter schriftlicher Nachrichten und einem Internet, das nicht vergisst, schnell zum Bumerang werden kann. Denn allzu leicht können wir im privaten und öffentlichen Leben mit früheren Äußerungen konfrontiert werden.

Wie gehen wir mit unseren Worten um? Lobende Worte bauen uns auf und stärken uns, sie haben oftmals sogar heilende Kraft. Verletzende Worte bleiben jedoch oft jahrelang im Gedächtnis. „Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin.“ schrieb der antike Dichter Horaz. Die Sorgfalt im Umgang mit Worten bleibt oft auf der Strecke liegen, wenn die Worte unbedacht und schnell gesprochen, geschrieben und verbreitet werden.

Im Brief des Jakobus heißt es: „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ (Jakobus 1,19) Dieser Ratschlag könnte unseren öffentlichen und privaten Diskurs entspannen, wenn wir ihn befolgen. Der morgige Sonntag Sexagesimae steht ganz im Zeichen des Wortes und seiner Wirkungen. Der Sämann streut den Samen des Wortes Gottes aus, ohne Rücksicht darauf, wohin er fällt. Die Kraft des Wortes Gottes ist umso größer, wenn es auf guten Boden fällt und vielfache Frucht bringt. 

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 18.1.2020 - Glaube und Unglaube

Gibt es das: Glaube und Unglaube in einer Person? Manche Menschen gelten als Vorbilder des Glaubens. Sie haben besondere religiöse Leistungen vollbracht. In schwierigen existentiellen Situationen Standfestigkeit bewiesen. Orientierung vermittelt. Unerschütterlich an ihrem Glauben festgehalten. Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer, in der katholischen Kirche die Menschen, die als Heilige verehrt werden, die Apostel.  Doch es wäre ein Missverständnis zu meinen, dass der Glaube eine statische Angelegenheit ist. Vielmehr berichtet uns das Neue Testament von Menschen, die in ihrem Glauben angefochten, zweifelnd, unsicher sind.

Ein Mann kommt mit seinem kranken Kind zu Jesus. Er bittet ihn inständig um Hilfe und sagt: „Wenn Du kannst, so erbarme dich und hilf uns!“ Jesus entgegnet: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Daraufhin schreit der Vater seine ganze Hilflosigkeit heraus: „Ich glaube – hilf meinem Unglauben!“ Schließlich wird das Kind geheilt.

Glaube und Unglaube in einer Person. Das beschreibt auch unsere Situation. Wir beten in der Hoffnung, erhört zu werden. Wir vertrauen auf Gott, obwohl wir ihn nicht sehen. Wir hoffen auf die Auferstehung von den Toten, auch wenn wir sie nicht beweisen können. Manche Menschen sagen, sie seien religiös „unmusikalisch“. Vielleicht, weil sie meinen, keine Erfahrungen des Glaubens gemacht haben. Dabei ist die Sehnsucht nach dem Glauben bereits der Anfang des Glaubens. So sagt es der Kirchenvater Augustinus.

„Ich glaube – hilf meinem Unglauben!“  (Markus 9,24) Dieser Ruf nach Hilfe ist die biblische Losung für dieses Jahr. Es hat bereits mit Sorgen und Ängsten begonnen. Wir können den Zuspruch durch den Glauben gut gebrauchen, trotz aller Zweifel. Denn Gott meint es gut mit uns.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 21.12.2019 - Vorfreude auf Weihnachten

Vorfreude ist die schönste Freude. So sagt ein Sprichwort. Gilt das auch für Weihnachten? Mag sein, dass der eine oder die andere schon sehr gestresst ist von den vielen Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest. Weihnachtsfeiern besuchen, Geschenke besorgen, Weihnachtskarten schreiben, den Tannenbaum aufstellen, das Weihnachtsessen vorbereiten und, nicht zuletzt, verschiedene Jahresabschlussarbeiten erledigen… Die „to do –Liste“ ist lang und manchmal kommt sogar richtige vorweihnachtliche Hektik auf, bis alles erledigt ist.

Aber dann … Ja, dann kommt das Weihnachtsfest mit all seinen Erwartungen, Hoffnungen und Wünschen. „Frohe Weihnachten“ wünschen wir uns, oft ausgesprochen und geschrieben. Aber können wir uns wirklich noch richtig freuen, so wie damals, als wir als Kinder das Fest sehnsüchtig erwarteten und alle Heimlichkeiten im Vorfeld als Hinweis auf ein besonderes Fest mit der Erfüllung unseres Wunschzettels deuteten? Als wir gespannt und voller Freude vor der Tür des Weihnachtszimmers standen und ganz vom Lichterglanz des Weihnachtsbaums erfüllt wurden?

„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich euch: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“ (Phil. 4,V.4) Diese Aufforderung zur Freude stammt nicht von einem Kind, sondern von einem Erwachsenen. Der Apostel Paulus richtet sie an die Gemeinde in Philippi, an der er seine wahre Freude hat. Als Bibelwort für den vierten Advent hören wir sie auch in der Vorfreude auf das Fest der Geburt Christi,  in dem Gott uns ganz nahe kommt. Die Freude über die Geburt dieses Kindes überstrahlt alles, denn Gott wird Mensch, „dir Mensch zugute“, wie es in einem Weihnachtslied heißt. In diesem Sinn wünsche ich uns allen: „Frohe und gesegnete Weihnachten!“

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 23.11.2019 - Im Zimmer nebenan

Am letzten Sonntag im Kirchenjahr gedenken die evangelischen Christen der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres. Sie lesen ihre Namen vor, sie zünden Kerzen für sie an, sie beten mit und für die Angehörigen. Sie gehen zu den Gräbern. Der Verlust, die Lücke, die die Verstorbenen hinterlassen, wird schmerzlich bewusst. Erinnerungen an die gemeinsame Zeit werden wieder lebendig. Zugleich suchen und finden sie Trost in der Hoffnung, dass die Verstorbenen in Gottes Hand gut aufgehoben sind. Der französische Schriftsteller Charles Peguy stellt es sich so vor:

„Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen. Ich bin ich, ihr seid ihr. Das, was ich für euch war, bin ich immer noch. Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt. Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt. Gebraucht nicht eine andere Redeweise, seid nicht feierlich oder traurig. Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben. Betet, lacht, denkt an mich, betet für mich. Damit mein Name im Hause gesprochen wird, so wie es immer war, ohne irgendeine Betonung, ohne die Spur eines Schattens. Das Leben bedeutet das, was es immer war. Der Faden ist nicht durchschnitten. Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein, nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin? Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges.“

Im Psalm 16 heißt es: „ Du tust mir kund den Weg zum Leben.“ In unserer Hoffnung auf die Auferstehung zum ewigen Leben bleiben die Verstorbenen auch in unserem Leben in den Gedanken, Gesprächen und Erinnerungen gegenwärtig. Bei Gott haben sie einen Ort, an dem sie geborgen sind.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

 

Mittendrin am 26.10.2019 - Heilende Beziehungen

Vor kurzem habe ich eine Gedenkstätte im Elsass besucht, in der an die Kämpfe zwischen Deutschen und Franzosen zu Beginn des ersten Weltkriegs erinnert wird. 17.000 vor allem junge Soldaten sind dort in wenigen Wochen in einem erbarmungslosen Stellungskrieg ums Leben gekommen. Die Schützengräben lagen oft nur wenige Meter voneinander entfernt. Während meines Besuchs ging auch eine Gruppe von Amerikanern und Franzosen durch die damals gut befestigten Gräben. Man konnte sich vorstellen, wozu Hass und Rachegefühle, Kriegsbegeisterung und Vaterlandsliebe die Angehörigen der jeweiligen Nationen in ihrem rücksichtslosen Kampf geführt haben, in dem es am Ende nur trauernde Verlierer gab. Was hätten wohl die jungen Soldaten damals gedacht, wenn sie gewusst hätten, dass 100 Jahre später die ehemaligen Kriegsgegner friedlich durch die Schützengräben spazieren?

Die Freundschaft von Deutschen und Franzosen ist heute einer der Eckpfeiler der Europäischen Union. Sie zeigt, dass zerstörte Beziehungen und Verletzungen heilen können. Die Kriegsgräber sind ein Mahnmal an uns: zu versöhnen, anstatt zu spalten, aufeinander zuzugehen, anstatt sich voneinander zu entfernen, aufeinander zu hören, anstatt den Anderen zu verunglimpfen. Unsere Sprache ist oftmals verräterisch, mit nur kleinen Veränderungen können Gräben geschaffen und Mauern errichtet werden.

„Heile du mich Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen.“ Die Bitte des Propheten Jeremia (Kap. 17, V. 14) sollten auch wir uns zu eigen machen. Der umfassende Friede Gottes (schalom) ist Grund und Ansporn für unsere fortwährenden Bemühungen, die gestörten Beziehungen zwischen den Menschen wieder zu versöhnen: im privaten Bereich ebenso wie im öffentlichen Diskurs. Das sind wir nicht zuletzt den Opfern der Kriege schuldig.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin vom 28.9.2019 - Wer ist der Größte?

Wer ist der Größte? Wie oft wird diese Frage gestellt! Wer ist der größte Staatsmann, wer ist die beste Schauspielerin, wer ist der berühmteste Popmusiker, wer ist der reichste Mensch auf dieser Erde? Wer ist der Größte im Verein, in der Schulklasse oder in der Firma? Das Bedürfnis nach Anerkennung und Geltung und die Bewertung der eigenen Fähigkeiten im Verhältnis zu anderen scheinen allgegenwärtig zu sein.

„Wer ist der Größte im Himmelreich?“ Die Jünger stellen diese Frage an Jesus und er beantwortet sie zur Verblüffung aller Anwesenden, indem er ein Kind in den Mittelpunkt stellt. „Wer sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich.“ (Matthäus 18,4) Ein Kind galt damals als schwach und unmündig, was konnte es schon ausrichten in der Welt der Erwachsenen? Doch gerade die Kinder stehen für Jesus im Zentrum des Glaubens. „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“

Was haben die Kinder den Erwachsenen voraus? Ihr bedingungsloses Vertrauen, ihre unbändige Freude, ihre ungeheuchelte Begeisterung, ihre blühende Phantasie, ihre Offenheit und Ehrlichkeit. Die geöffneten Hände, die strahlenden Augen und die kindliche Freude über ein Geschenk, das sie sogleich in Gebrauch nehmen. Damit sind sie ein Vorbild für die Erwachsenen, das Geschenk des Glaubens  und der Taufe auch in die Tat umzusetzen. Dabei kommt es nicht darauf an, wer besser, schneller, intelligenter oder einflussreicher ist. Der Größte im Himmelreich wird nicht durch einen Intelligenzquotienten ermittelt oder durch eine Abstimmung in den sozialen Medien. Die kindliche Freude wiegt schwerer als eine erfolgreiche Selbstpräsentation, ihr bedingungsloses Vertrauen ist bedeutender als der gesellschaftliche Status. Im Himmelreich gelten andere Maßstäbe, warum nicht auch in unserer Gegenwart?

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin vom 31.8.2019 - Hochmut kommt vor dem Fall

„Ich bin schuldig“ bekennt der ehemalige Bertelsmann – Manager Thomas Middelhoff in seinem neuesten Buch. „Schuldig an meinem Scheitern.“ Er habe alles verloren, sein Vermögen, seine Gesundheit, seinen Ruf. Schuld an seinem Scheitern sei seine Gier nach Geld, Anerkennung und gesellschaftlicher Bedeutung gewesen. Dabei habe er die Wertmaßstäbe verloren und „Todsünden“ wie Maßlosigkeit und Hochmut begangen. Mit seiner Selbstkritik verbindet er die Ausrichtung auf ein neues Leben nach anderen Maßstäben. Heute fühle er sich befreit und glücklicher. Halt und Orientierung gebe ihm der christliche Glaube.

„Hochmut kommt vor dem Fall.“ So lautet eines der bekanntesten Sprichwörter. Es stammt aus dem Buch der Sprüche, Kap. 16, Vers 18. Hochmut verbinden wir mit Anmaßung, Selbstüberschätzung, Überheblichkeit und Arroganz. Es fällt uns meist nicht schwer, Beispiele anderer Menschen dafür zu finden. Die Lebensweisheit aus der Bibel entfaltet jedoch gerade dann ihre positive Wirkung, wenn sie nicht auf andere, sondern auf sich selbst bezogen wird. Die Alternative zum Hochmut ist die Demut. Nicht als prinzipielle Unterwürfigkeit, sondern als Erkenntnis der eigenen Begrenztheit und Bescheidenheit. Demut bedeutet, sich selbst zu akzeptieren, andere wertzuschätzen, mit der Umwelt sorgsam umzugehen und die Fehler der Anderen auch vergeben zu können. Das erfordert oftmals mehr Mut, als sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Die Veränderung der Perspektive  ist wichtig, die Sicht auf mich selbst und auf andere Menschen. Mit dieser Haltung kann man glücklich und zufrieden werden. 

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 03.08.2019 - Wie im Himmel, so auf Erden

Das Liborifest geht auf die Zielgerade. Sein Motto „Im Himmel und auf Erden“ erinnert an das Vaterunser. Das Gebet, das Jesus seinen Jüngern hinterlassen hat, umspannt die ganze Welt, verbindet Himmel und Erde.

Manchmal erfahren wir genau das Gegenteil. Die menschliche und die göttliche Welt scheinen strikt voneinander getrennt zu sein. Ein lieber Mensch hat diese Welt verlassen und wir spüren den Schmerz des Verlustes in unsrer Gegenwart. Der Friede ist  bedroht von Krieg und Gewalt. Wir sind erschüttert darüber, was Menschen einander antun. Der Himmel erscheint uns fern, wenn die irdischen Erfahrungen zu bedrängend sind.

Aber muss das so sein? Oder gibt es Brücken von der Erde zum Himmel und vom Himmel zur Erde? Die wichtigste Brücke hat Gott selbst gebaut in seinem Sohn Jesus Christus, den er auf die Erde sandte. Er hat in uns die Sehnsucht nach dem Himmel geweckt. Zugleich aber hat er uns auch geerdet und die Aufgaben beschrieben, die uns gestellt sind. In ihm sind sich Himmel und Erde ganz nahe gekommen. Ist es da nicht naheliegend, dass wir auch solche Momente erleben, wo Himmel und Erde sich berühren? Viele verspüren ein geradezu himmlisches Vergnügen, wenn sie miteinander das Liborifest feiern. Himmel und Erde kommen sich nah, wo Menschen sich wirklich begegnen. In einem modernen Lied heißt es: „Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu. Da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns.“ Wo wir im Geist Jesu Christi im Miteinander neue Wege gehen, neue Anfänge wagen, da können wir schon heute den Himmel auf Erden erfahren.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 6.7.2019 - Unsere Quelle bist Du!

 

Eine Stadt erfüllt von Musik. Keine elektronisch verstärkte Musik aus Lautsprechern, sondern Gesang von Kinder und Jugendlichen aus ganz Deutschland. Fast 2800 Sängerinnen und Sänger versammeln sich zum katholischen Chorfestival „Pueri Cantores“ und erfreuen die Zuhörenden mit neuer und alter Chormusik auf Straßen und Plätzen und in den Kirchen. Als evangelische Gemeinde haben wir gern unsere Abdinghofkirche für die Konzerte geöffnet. Denn das Singen ist christliche Verkündigung. „Wer singt, betet doppelt“ sagt der Kirchenvater Augustinus.

Martin Luther hat das Singen hoch geschätzt. Für ihn ist die ganze Schöpfung erfüllt vom Klang der Musik: „Ich wollte von Herzen gern diese schöne und köstliche Gabe Gottes, die freie Kunst der Musica, hoch loben und preisen. Weil diese Kunst von Anfang der Welt allen Kreaturen von Gott gegeben und von Anfang mit allen geschaffen ist, denn da ist mitnichten nichts in der Welt, das nicht ein Schall und Laut von sich gebe.“ Sie verschafft dem Menschen „Ruhe und ein fröhliches Gemüt“. Sie kann Traurigkeit und innere Unruhe überwinden. „Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger, vernünftiger macht.“

Beim Singen ist der ganze Mensch beteiligt, mit Leib und Seele. Das Singen kommt aus dem Herzen. Es hat eine Quelle, aus der es sich speist. „Unsere Quelle bist Du!“ sagt der Beter des 36. Psalms: „Bei dir ist die Quelle des Lebens“. Gott ist die Quelle der Kraft, des Trostes, der Liebe, der Freude und des Lichts. Lassen wir uns anstecken vom fröhlichen Gesang und der Lebensfreude, die im Glauben an Gott begründet ist!

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 08.06.2019 - Ein würdiger Nachfolger

 

Als Jesus sich von seinen Jüngern verabschiedet, lässt er sie nicht einfach im Stich. Kein „nach mir die Sintflut“ oder „seht zu, wie ihr zurechtkommt“. Jesus bestellt sein Haus und bereitet seine Jünger auf die Zeit nach seinem Abschied vor. Er verspricht ihnen einen „Parakleten“, einen Beistand, einen Tröster. Er beschreibt die Aufgaben seines „Nachfolgers“: Er wird die Jünger an seine Worte erinnern, er wird sie in die Wahrheit führen, er wird sie als Gemeinschaft zusammenhalten. Der Heilige Geist ist ein würdiger Nachfolger Jesu. Er ist keineswegs flüchtig oder unscheinbar, sondern er entfaltet seine kräftige Wirkung unter den Jüngern.

Das Pfingstereignis berichtet von mutigen Jüngern, die auf die Straße gehen, um die Botschaft Jesu zu verkündigen. Verständnisschwierigkeiten werden überwunden. Freude und Zuversicht erfüllt sie. Die Jünger sind geradezu begeistert von ihrer neuen Erfahrung. Bevor sie jedoch in die Gefahr geraten, aus der Wirklichkeit abzuheben, hat Jesus ihnen ein untrügliches Kennzeichen der Geisterfahrung vermittelt. Es ist die Liebe untereinander und die Treue gegenüber den göttlichen Geboten. Erst die Liebe lässt die Erfahrung des Geistes konkret werden. Pfingsten ist zwar ein wenig anschauliches Fest, aber dennoch ein Fest der Gemeinschaft und der Begegnung mit Gott. Der Heilige Geist vermittelt die Begegnung mit dem Heiligen. Dem Kirchenvater Augustinus wird dieses Gebet zugeschrieben:

Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke. Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue. Locke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe. Stärke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges hüte. Hüte mich, du Heiliger Geist, dass ich das Heilige nimmer verliere.“

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 12.5.19 - „Auf dich vertraun!“

Am Sonntag feiern wir Konfirmation. Wie in vielen anderen evangelischen Gemeinden werden in diesen Wochen die Jugendlichen eingesegnet nach ihrer Zeit im kirchlichen Unterricht. Ein festliches Ereignis für die Jugendlichen, aber auch für die Eltern und Paten. Denn nun sprechen die jungen Menschen ihr eigenes Ja zur Taufe. Konfirmation bedeutet, ähnlich wie die Firmung, die Stärkung und Festigung des Glaubens. Das geschieht durch die persönliche Segnung mit Handauflegung ebenso wie durch den festlichen Gottesdienst. Darüber hinaus empfinden viele die Konfirmation als Übergang vom Kind zum jungen Erwachsenen, sichtbar oftmals auch an der Kleidung an diesem Tag.

Wie kann die Konfirmation eine Stärkung des Glaubens sein? Im christlichen Glauben geht es im Kern um das Vertrauen zu Gott, den Schöpfer des Lebens, um Orientierung an Jesus Christus, den Erlöser und um die Stärkung durch den Heiligen Geist, den Tröster und Beistand. Jugendliche suchen nach Orientierung, nach glaubwürdigen Vorbildern, nach Maßstäben, die für ihr Leben Bestand haben. Im Unterricht können sie Jesus Christus als vertrauenswürdiges Vorbild für ihr Leben kennenlernen.

Vertrauen ist die entscheidende Haltung im Leben. Ohne Vertrauen gegenüber anderen Menschen, die mir wichtig sind, ist es schwer, das Leben zu meistern. Darum ist es gut, Vertrauen einzuüben in ganz alltäglichen Situationen, aber auch in schwierigen Lebenslagen. Der Deutsche Evangelische Kirchentag steht in diesem Jahr unter dem Thema: „Was für ein Vertrauen!“ (2. Könige 18,19). In einem neuen Lied heißt es: „Ich kann auf dich vertraun! Du nimmst mich so hin, wie ich wirklich bin. Zweifel ich an mir, find ich Kraft in dir. In der schwersten Zeit, in der Dunkelheit leuchtet mir dein Licht, schenkst mir klare Sicht.“ Es wäre schön, wenn Jugendliche für ein solches Vertrauen glaubwürdige Vorbilder finden.

 

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 13.4.2019 - INRI – König der Herzen

INRI. Auf manchen Kreuzdarstellungen sind sie zu lesen, diese vier Buchstaben auf einer Tafel, die oben am Kreuz angebracht ist. Sie sind eine Abkürzung für die lateinischen Worte: „Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum“ „Jesus von Nazareth, der König der Juden“ (Markus 15, V. 26) Mit diesem Wort ist die Anklageschrift formuliert, mit der Jesus zum Tod verurteilt wurde. Das Todesurteil stammt vom römischen Statthalter Pontius Pilatus, denn nur er konnte als Vertreter der römischen Besatzungsmacht ein Todesurteil vollstrecken. Die Anklage, ein „König der Juden“ zu sein, war eine politische Angelegenheit. Sie war der Vorwurf eines Aufruhrs und Angriffs auf den Kaiser.

War Jesus ein König? Die Menge begrüßt ihn bei seinem Einzug in Jerusalem wie einen König, von dem sie sich Befreiung im umfassenden Sinn erhofft: „Hosianna dem Sohn Davids. Gelobt sei, der da kommt, im Namen des Herren“. (Matthäus 20, V. 9) Am morgigen Palmsonntag wird an diesen Einzug Jesu auf einem Esel erinnert, bei dem ihm Palmzweige und Mäntel wie ein roter Teppich ausgelegt werden. Doch Jesus hat sich vor Pilatus von solchen politischen Erwartungen distanziert: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Joh 18, 36). Sein Königtum zeichnet sich durch Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe aus. Sein Weg zum Kreuz ist eine Konsequenz seines Eintretens für die Menschlichkeit und das Reich Gottes. Er ist, wie die Kinder es sagen, „ein König der Herzen“. Insofern ist die Inschrift über dem Kreuz zutreffend. Jesus ist ein König – ein Vorbild für uns alle.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

 

Mittendrin am 16.3.2019 - Weißt du noch ?

„Weißt du noch?“ So fangen viele Gespräche an, in denen wir uns an vergangene Zeiten und Ereignisse erinnern. Oftmals erscheint die Vergangenheit dann in einem verklärten Licht. „Die guten alten Zeiten …“ Es gehört wohl zur Hygiene unserer Seele, dass wir die guten Erinnerungen in uns aufbewahren und die weniger guten Erinnerungen eher vergessen können. Manches, was uns positiv im Gedächtnis bleibt, ist ein richtiger Schatz. So ist wohl auch der Satz des Dichters Jean Paul zu verstehen, der in mancher Traueranzeige zu lesen ist: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“

Nicht nur wir selbst können uns erinnern, oftmals wollen wir auch jemand anderen an das Gute aus der Vergangenheit erinnern, etwa mit den Worten: „Vergiß nicht!“ Oder: „Denk doch daran!“ Eine solche Erinnerung ist das Leitwort für den morgigen Sonntag: „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte!“ (Psalm 25, Vers 6). Das lateinische Wort „reminiszere“ („gedenke“) hat diesem Sonntag seinen Namen gegeben. Es mag uns seltsam vorkommen, dass wir Gott an etwas erinnern müssen. Aber nichts anderes tun wir, wenn wir im Gottesdienst das Fürbittengebet sprechen. Wir bitten Gott, uns und anderen zu helfen. Wir tun dies, indem wir ihn an seine Gnade und Güte erinnern, indem wir uns auf seine Barmherzigkeit berufen. „Weißt du noch, Gott, wie du mir damals geholfen hast? Ich vertraue darauf, dass du auch jetzt da bist und mir beistehst.“ Mit der Erinnerung an Gottes Vergangenheit mit seinem Volk verbindet sich unsere Hoffnung auf Gottes Liebe und Güte in der Gegenwart. 

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 16.2.2019 - Wie ist es so im Himmel?

Es war ein bewegender Abschied von Kirchenmusikdirektor Martin Hoffmann. Gemeinsam mit der Familie trauerten Verwandte, Freunde, Weggefährten und die ganze Gemeinde in einer voll besetzten Abdinghofkirche um den so plötzlich verstorbenen Kirchenmusiker.

Neben der Trauer durchzog aber auch ein Grundton der Hoffnung diesen Gottesdienst, der sich in der Musik und in den vielstimmig gesungenen Chorälen, in Lesungen, Gebeten und Predigt artikulierte. Als Kinder der Lutherschule ihre Briefe an den verstorbenen Kantor vortrugen, mit dem sie regelmäßig gesungen hatten, leuchtete in der Dunkelheit der Trauer ein heller Lichtstrahl der Zuversicht des Glaubens auf.

„Wie ist es so im Himmel?“ fragte ein Kind. Die Antwort folgte kurz darauf mit dem Schlusschoral der Johannespassion von Johann Sebastian Bach: „Alsdann vom Tod erwecke mich, dass meine Augen sehen dich in aller Freud', o Gottes Sohn, mein Heiland und mein Gnadenthron!“

In der Hoffnung der Auferstehung nehmen wir Abschied von unseren Verstorbenen. In der Auferstehung Jesu Christi ist unser Trost und unsere Zuversicht begründet.

Martin Luther King sagt: „Komme, was kommen mag. Gott ist mächtig. Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große, segnende Kraft gibt, die Gott heißt. Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln – zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.“

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 19.1.2019 - Wasser in Wein verwandeln

Das Evangelium des morgigen Sonntags erzählt von einem besonderen Wunder Jesu. Auf der Hochzeit zu Kana geht den Gastgebern im Lauf des Abends der Wein aus. Was tun? Maria wendet sich hilfesuchend an Jesus. Dieser lässt Krüge mit Wasser füllen und als der Speisemeister sie überprüft, ist aus dem Wasser bester Wein geworden. Ein Wunder, das im Johannesevangelium als das erste Zeichen Jesu beschrieben wird, mit dem er seine Herrlichkeit offenbart. Dieses Wunder fällt aus dem Rahmen. Es ist zwar keine existentielle Notsituation, aus der Jesus hilft. Keine Krankheit, die geheilt wird. Aber ein Zeichen für seine Güte und Gnade.

Von dem Kirchenvater Hieronymus wird eine Anekdote überliefert: Ein Spötter rechnet aus, dass Jesus rund 600 l Wein erzeugt hat. Er fragt den Kirchenvater, ob die Hochzeitsgesellschaft diese ungeheure Menge ausgetrunken habe. Daraufhin antwortet Hieronymus: „Nein, wir trinken alle noch davon.“

Der Wein ist ein Symbol für die Freude. Die Geschichte zeigt, worum es geht: Auch in unserem Leben gibt es Situationen, in denen sich „Wasser in Wein verwandeln“ kann: Neue Lebensfreude zu finden nach langer Trauer. Neuen Mut zu gewinnen nach einer Niederlage. Wieder aufzustehen, wenn man gefallen ist. Nicht zu verzagen, auch wenn die Aufgaben übermächtig scheinen.

Wir stehen im neuen Jahr vor großen Herausforderungen. Tagtäglich erreichen uns neue, manchmal erschütternde Nachrichten. Wie sollen wir ihnen begegnen? Die Erzählung von dem Wunder zu Kana endet mit der Feststellung: „Und seine Jünger glaubten an ihn.“ (Johannes 2, V. 11) Auch wir wünschen uns den Glauben und die Zuversicht, dass Gott uns die nötige Kraft, den Mut und die Ausdauer schenkt, die wir brauchen.  

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 29.12.2018 - Zwischen den Jahren

Man nannte sie einst die „Rauhnächte“ oder „zwölf heilige Nächte“, die Zeit zwischen Weihnachten und Epiphanias. Im Mittelalter waren sie eine kalendarische Übergangszeit vom Jahresende am 24. Dezember und dem Jahresbeginn am 6. Januar. 1691 wurde das Jahresende auf den 31. Dezember festgelegt und erhielt seinen Namen durch den Gedenktag an Papst Silvester I. In der Gegenwart versteht man darunter meist den Zeitraum zwischen Weihnachten und Neujahr. Für viele ist die Zeit „zwischen den Jahren“ eine Verlängerung des Weihnachtsurlaubs. In den Geschäften herrscht reger Umtauschbetrieb. Man kann einkaufen, Verwandte besuchen oder die freie Zeit zur Ruhe und Erholung genießen.

Zwischen den Jahren feiern wir den Sonntag nach Weihnachten. Das Evangelium des Sonntags schildert eine anrührende Szene: Ein alter Mensch, Simeon, wartet „auf den Trost Israels.“ Er betet im Tempel. Dort begegnen ihm Maria und Josef mit dem Jesuskind. Der greise Simeon hält den Säugling in seinen Armen und stimmt ein Loblied an: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.“ (Lukas 2, 29) Er spricht ein Bekenntnis zu Christus als dem Heil und der Erleuchtung der Völker, für ihn ist es die Erfüllung einer alten Verheißung. Am Ende segnet Simeon die Familie. Das Lied des Simeon ist später in das Nachtgebet der Kirche eingegangen. Es gehört zu den täglichen Stundengebeten im Kloster. Das Lied geleitet die Betenden zur Ruhe.

Zwischen den Jahren ist für uns die Zeit, auf Weihnachten und das vergangene Jahr dankbar zurückblicken und sich auf das neue Jahr vorzubereiten. Sicher haben sich nicht alle unsere  Wünsche und Erwartungen erfüllt. Aber vielleicht haben wir die Gelegenheit, bisher Versäumtes nachzuholen, vielleicht Briefe zu schreiben, jemanden zu besuchen oder mit ihm zu telefonieren. Eine Zeit, das Jahr in Ruhe und mit dem Segen Gottes zu beschließen.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

 

Mittendrin am 1.12.2018 - Advent – andere Zeit

Die Straßen sind voller Menschen. Alle sind hektisch damit beschäftigt, die günstigen Angebote nicht zu verpassen. Selbst die Zufahrtsstraßen sind schon blockiert. Black Friday, Cyber Monday, eine ganze Woche prasseln die vermeintlichen Angebote auf uns nieder. Man könnte den Eindruck gewinnen: jetzt oder nie muss ich dieses Schnäppchen machen!

Jetzt ist Advent. Zeit des Wartens und der Erwartung. Zeit der Besinnung und der Stille. Zeit des Innehaltens. Wirklich? Oder setzt sich die hektische Betriebsamkeit fort in Weihnachtsfeiern, Weihnachtseinkäufen, Weihnachtsstress? Und am Ende der Adventszeit sinken alle erschöpft in sich zusammen und seufzen: Gut, dass wir das wieder einmal geschafft haben! -

Die Straßen sind voller Menschen. Sie sind in gespannter Erwartung. Bald wird er kommen, der, von dem schon so viele gesprochen haben. Kranke hat er geheilt. Ausgestoßene in die Gemeinschaft geholt, Verzweifelten neue Hoffnung gegeben. Ist er der, auf den wir schon so lange gewartet haben? Von dem der Prophet sagt: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer“ (Sacharja 9, Vers 9). Sie sammeln Palmzweige von den Bäumen. Sie breiten ihre Mäntel wie einen roten Teppich aus. Sie rufen laut: „Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ Und dann kommt er, aber wie! Nicht mit lautem Getöse, nicht einer Entourage von Bediensteten, nicht mit einem Heer von Soldaten. Sondern ganz einfach. Er reitet auf einem Esel.

Manche Erwartungen werden nicht erfüllt. Die Römer werden nicht aus dem Land vertrieben, Frieden und Gerechtigkeit für alle lassen noch auf sich warten. Aber den Menschen wird eine Hoffnung eingepflanzt. Mit ihr ändert sich etwas, mit ihr könnten wir anders leben, mit ihr bricht eine neue Zeit an. So ist es bis heute geblieben – wenn wir es wollen. Wenn wir die Zeit des Advents als eine andere, eine besondere Zeit für uns begreifen. Wenn wir uns mit hinein nehmen lassen in die gespannte Erwartung auf Gottes Kommen in unserer Welt.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 3.11.2018 - Christ im Staat

Christ im Staat

Wahlen werden gemeinhin als das „Hochamt der Demokratie“ bezeichnet. Dahinter steht die Überzeugung, dass demokratisch durchgeführte Wahlen Macht und Mehrheiten auf friedliche Weise verschieben können. Wie sehr sich politische Verhältnisse ändern können, wie sich die Parteienlandschaft im Umbruch befindet, das erleben wir gegenwärtig. Es hängt nicht nur mit den handelnden Personen, sondern auch mit den großen globalen Herausforderungen zusammen, auf die es keine einfachen Antworten und Rezepte gibt, bei denen um die richtige Antwort gestritten wird.

Wie soll sich der Christ gegenüber der staatlichen Macht verhalten? Auf die Frage, ob man dem Kaiser Steuern zahlen solle, antwortet Jesus: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ (Matthäus 22, V. 21) Mit dem Bild des Kaisers auf einer geläufigen Münze zeigt Jesus, wie die staatliche Obrigkeit den Alltag der Menschen bestimmt. Sie hat ihre Aufgabe und ihre Begrenzung, auch im römischen Kaiserstaat.

In der Demokratie haben wir große Freiheiten und Möglichkeiten, auch als Kirche: Kirche als Ort, an dem Religion in Freiheit gelebt werden kann, Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts, Kirche als Träger von Einrichtungen der Diakonie und Bildung, Kirche als anerkannte Institution im gesellschaftlichen Leben. Die Chancen, das religiöse, politische und soziale Leben der Gesellschaft mit zu gestalten sind groß. Das ist ein Privileg der Demokratie gegenüber anderen Herrschaftsformen. Sie ist darauf angewiesen, dass Menschen sich im gegenseitigen Respekt in ihr engagieren, ihre Werte vertreten, um den richtigen Weg miteinander streiten, sich für das Recht des Anderen einsetzen, sich um das Gemeinwohl bemühen. So können Christen heute ihre Aufgaben im Staat erfüllen.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 6.10.2018 - Alle gute Gabe

Alle gute Gabe

 

Erntedankfest. Der Altarraum ist mit Erntegaben festlich geschmückt. Die Kinder bringen in ihren Körbchen die mitgebrachten Früchte auf die Stufen. Die Gemeinde singt mit Matthias Claudius: „Wir pflügen und wir streuen“. So oder ähnlich wird in vielen Gemeinden das Erntedankfest mit einem Familiengottesdienst gefeiert. Die Kinder staunen über die Vielfalt von Gemüse, Früchten und Blumen. Auch das zentrale Symbol des Erntedankfestes, das Brot, darf nicht fehlen. Am Erntedankfest werden wir an den Zusammenhang von Saat und Ernte, an den Wechsel der Jahreszeiten, an unsere Verbindung mit der Natur erinnert. Und das ist auch notwendig. Denn allzu leicht vergessen wir, dass die überreichen Theken im Supermarkt, an denen man das ganze Jahr über alles kaufen kann, auch in diesem Zusammenhang von säen, wachsen, reifen und ernten stehen. In diesem Jahr mussten aufgrund der Trockenheit Einbußen in der Ernte verkraftet werden. Manche Lieder im Gesangbuch erinnern uns daran, dass Kälte und Hitze, Hagel und Unwetter in vergangenen Zeiten ganze Ernten vernichten konnten.

Das Erntedankfest lädt uns nicht nur ein, für die Früchte des Feldes dankbar zu sein und sie nicht als selbstverständlich anzusehen. Der Dank richtet sich an Gott, den Schöpfer und Erhalter des Lebens. „Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn.“ So heißt es im Lied. Das Fest mahnt uns auch zu einem verantwortlichen Umgang mit den Lebensmitteln. Warum wird ein großer Teil unserer sorgsam erzeugten Nahrung nicht verzehrt, sondern vernichtet? Es ist gut, dass über Organisationen wie die Tafel brauchbare Nahrungsmittel bedürftigen Menschen zugutekommen. Es liegt auch an uns, dem Verbraucher, mit den uns anvertrauten Lebensmitteln verantwortlich umzugehen und mit denen zu teilen, die es nötig haben.

Mittendrin am 8.9.2018 - Sorgen ablegen

Sorgen ablegen!

„Probier's mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit jagst du den Alltag und die Sorgen weg.“ Mit diesem einfachen Rezept tanzt Balu, der Bär, im Dschungelbuch sich und anderen die Sorgen von der Seele. Es klingt nach einer einfachen Methode: Ruhig bleiben, den Tag genießen, nicht zu gierig sein, sich das zum Leben Notwendige nehmen und sich daran genügen.

Denn Sorgen können Menschen erdrücken. Sie haben die Tendenz, nicht verschwinden zu wollen, auch wenn man sich einreden möchte, sie seien nicht nötig. Manche Sorgen sind real und begründet: der Verlust eines Arbeitsplatzes. Das Scheitern einer Beziehung. Kinder, die auf die schiefe Bahn geraten. Krankheiten, die nicht zu heilen sind. Trauer, die Menschen überwältigt. Solche Sorgen behalten ihr Gewicht.

Andere Sorgen sind Befürchtungen von Ereignissen, die gar nicht eintreffen müssen. Sie bestimmen aber dennoch das Denken und Fühlen.

Das Leitwort für den morgigen Sonntag heißt: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ (1. Petr. 5,7) Wenn das doch so einfach wäre, dass man Sorgen nur abwerfen muss und dann sind sie verschwunden! Aber so ist es nicht. Sorgen lassen sich nicht mit einem Schlag entfernen. Was helfen könnte, ist, das Mitteilen und Ablegen von Sorgen einzuüben, damit sie nicht zu viel Macht über uns gewinnen. Jeden Tag ein bisschen mehr. Menschen suchen, die zuhören können. Sich über jeden Fortschritt freuen. Den Blick von sich weg auch auf andere richten. Die kleinen Dinge des Lebens genießen. Sich fragen, was wirklich wichtig ist.

„Bete und arbeite“ ist die Grundregel der benediktinischen Mönche. Das könnte auch im Umgang mit Sorgen helfen. Gott im Gebet die Sorgen anvertrauen und dann getrost und zuversichtlich die Aufgaben des täglichen Lebens angehen.

Mittendrin am 11.8.2018 - Liebe erfahren im gemeinsamen Leben

Liebe erfahren im gemeinsamen Leben

 „Gott ist nur Liebe./ Wagt, für die Liebe alles zu geben./ Gott ist nur Liebe./ Gebt euch ohne Furcht.“ So lautet ein Gesang aus der ökumenischen Gemeinschaft in Taizé. Einfachheit, Freude und Barmherzigkeit sind die Grundprinzipien dieser Kommunität, die Jahr für Jahr Tausende Jugendliche mit ihrer Spiritualität anzieht und begeistert. Frère Roger Schutz, der Gründer der Gemeinschaft sagt über die Liebe: „Am Abend unseres Lebens wird es die Liebe sein, nach der wir beurteilt werden, die Liebe, die wir allmählich in uns haben wachsen und sich entfalten lassen, in Barmherzigkeit für jeden Menschen.

 

Die Liebe soll das Grundprinzip des Zusammenlebens auch in den frühchristlichen Gemeinden sein. Für den Apostel Paulus ist sie die höchste Geistesgabe, weil durch die gegenseitige Liebe niemand benachteiligt oder gering geschätzt wird. Die Kraft der Liebe ist kaum zu überschätzen: „Sie glaubt alles, sie erträgt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf.“  (1. Kor. 13,8) Der Grund für die Hochschätzung der Liebe liegt darin, dass die menschliche Liebe ein Abbild der göttlichen Liebe ist. „Gott ist die Liebe“ (1. Joh 4)

In Taizé wird die Nächstenliebe praktisch eingeübt: im Zusammenleben in schlichten Unterkünften und bei einfachen Mahlzeiten. In praktischen Tätigkeiten wie dem Abwaschen des Geschirrs oder in der Reinigung der sanitären Anlagen. In der Erfahrung einer weltweiten Begegnung und Gemeinschaft. Im gegenseitigen Gespräch und Austausch über Fragen des Glaubens und Lebens. Und vor allem im gemeinsamen Gebet, in Gesängen, im Hören auf das Wort Gottes, in der Stille. Wenn Jugendliche und Erwachsene aus aller Welt eine Woche lang in Taizé miteinander gelebt haben, dann spüren sie etwas von dieser Liebe Gottes, die sich im gemeinsamen Leben ausdrückt.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 14.7.2018 - Endlich Ferien!

Endlich Ferien!

Endlich Ferien! Mit diesem Gefühl beginnen für Schüler, Lehrer und viele Familien die bevorstehenden Sommerferien. Für die meisten sind es die großen Ferien zwischen den Schuljahren, für manche beginnt nach den Ferien ein neuer Lebensabschnitt: für die Kinder der Wechsel in die Grundschule oder in eine weiterführende Schule, für die Abiturienten der Übergang ins Studium oder in ein freiwilliges soziales Jahr und für einige Lehrer ist es der Wechsel in den Ruhestand. Immer ist es ein Einschnitt, eine Zäsur, eine Wegmarkierung.

Das Wort „Ferien“ stammt aus dem Lateinischen: „feriae“ sind die Fest- und Feiertage. Sie unterbrechen unseren Alltag. Solche Tage brauchen wir, um das Vergangene in uns nachwirken zu lassen und uns für die neuen Aufgaben zu stärken. In jeder Woche ist ein solcher „Ferientag“ für uns reserviert, der Sonntag. Und darauf ruht der Segen Gottes, wenn wir ihn richtig nutzen.

„Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.“ (1. Mose 1, Vers 3) Fest- und Feiertage, Ferien vom Alltag, sind ein besonderes Geschenk an uns Menschen. Sie geben uns die Chance zur Erholung und zur Besinnung, aber auch zur Entdeckung neuer Landschaften, Perspektiven und Menschen, zum Auftanken für Körper und Seele. Manche Urlauber nutzen die Gelegenheit, um am Ferienort andere Gottesdienste zu erleben. Wer mit den Ferien einen neuen Lebensabschnitt beginnt, mag sich an das Wort des Philosophen Senecas halten: „Fange jetzt an zu leben und zähle jeden Tag als ein Leben für sich.“ Freuen wir uns auf die Ferien, auf die kleinen und großen Fest- und Feiertage unseres Lebens.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 16.6.2018 - Das Glück des Findens

Der 13-jährige Luca fand am Anfang diesen Jahres auf einem Acker auf der Insel Rügen eine kleine Münze. Er schenkte ihr zunächst keine große Bedeutung, informierte aber als Hobby-Archäologie die zuständigen Experten vom Landesamt. Es war eine Silbermünze aus der Wikingersiedlung Haithabu. Die anschließende Ausgrabung förderte einen Schatz von 600 Münzen zutage, die dem legendären Dänenkönig Harald Blauzahn aus dem 10. Jh. zugeordnet werden konnten. Das Glück des Finders ging auf eine systematische Suche mit Metalldetektor und GPS-Geräten zurück. Die Freude war groß, bei allen Beteiligten.

Nicht jeder hat ein solch spektakuläres Finderglück. Aber wer schon einmal verzweifelt seinen Haustürschlüssel, sein Portemonnaie oder ein wichtiges Dokument gesucht hat, weiß um das Gefühl, das ersehnte Stück wiedergefunden zu haben.

Eine Frau, die zehn Silbergroschen besitzt, sucht einen verlorenen Groschen. Sie stellt das ganze Haus auf den Kopf und sucht so lange, bis sie ihn wiedergefunden hat.

Diese Geschichte verwendet Jesus, um die Freude des Findens herauszustellen. Denn die Frau erzählt allen Nachbarinnen von ihrem Finderglück. „So wird Freude sein vor den Engeln Gottes, über einen Sünder, der Buße tut.“ (Lukas 15,10). Mit den Gleichnissen im Lukasevangelium vom verlorenen Schaf, Groschen und Sohn geht es immer um diese Freude Gottes über den Menschen, der zu ihm zurückkehrt. Es gibt sicherlich Ereignisse und Entwicklungen in unserem Leben, durch die wir uns von Gott entfernen. Aber wir können auch wieder zu ihm umkehren. Gott empfängt uns mit offenen Armen, wenn wir uns ihm wieder zuwenden. Die Freude ist groß, wenn wir uns von ihm finden lassen, auf beiden Seiten.

 

Mittendrin am 19.5.2018 - Was mich begeistert

An diesem Pfingstsamstag blicken viele nach Großbritannien, um die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle am Fernseher zu verfolgen.  Sie erfreuen sich an dem royalen Glanz, an den schönen Bildern eines Hochzeitspaares. Andere fiebern dem Finale im DFB-Pokal entgegen und hoffen auf ein spannendes Fußballspiel. Manch einer begeistert sich an seinem Hobby oder an der Schönheit der Natur. Was uns begeistert, kann sehr vielfältig sein. Be-geist-erung bedeutet, dass wir von einem bestimmten Geist erfüllt sind, der uns gefangen nimmt, der uns motiviert und anspornt, der uns Freude und Erfüllung schenkt.

Pfingsten feiern wir das Fest des Heiligen Geistes. Wir erinnern uns an die „Ausgießung“ des Geistes an die Jünger Jesu. Den Geist selbst kann man nicht sehen, wohl aber seine Auswirkungen spüren. Für die Jünger war die Erfahrung des Geistes eine Befreiung: aus der Ängstlichkeit wurde Mut, aus der Trauer wurde Freude, aus der Vereinzelung erwuchs eine Gemeinschaft. Der Geist bewirkte ein neues Verstehen. Grenzen von Sprachen und Kulturen wurden überwunden. Die neue Gemeinschaft wurde in der Entstehung einer christlichen Gemeinde sichtbar, die sich regelmäßig zum Lesen des Wortes Gottes, zum gemeinsamen Mahl, zum Gebet und zur gegenseitigen Austausch traf.

Bis heute ist die Erfahrung des Geistes Gottes in unseren Kirchen lebendig. Er gibt uns Orientierung in der Unterscheidung von Gut und Böse, er motiviert uns zum Einsatz für den Mitmenschen, er stärkt uns in der Gemeinschaft. Der Geist bleibt nicht auf die eigene Konfession beschränkt, sondern er führt uns zusammen. Diese Erfahrung von Gemeinschaft, wie wir sie auch in unseren ökumenischen Gottesdiensten erleben, kann uns im wahrsten Sinn des Wortes begeistern!

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Mittendrin am 21.4.18 - Segen für die Lebensreise

„Segen für die Lebensreise“ – so könnte man die Feier der Konfirmation benennen, die in diesen Wochen in vielen evangelischen Gemeinden stattfindet. Denn bei der Konfirmation wird den Jugendlichen für ihren weiteren Lebensweg ein Bibelwort zugesprochen, verbunden mit einem persönlichen Segen. „Confirmatio“, das bedeutet Stärkung, Kräftigung, Befestigung im Glauben. Noch immer werden rund 90 % der Jugendlichen eines Jahrgangs konfirmiert. Sie stehen an diesem Tag, für sie meist ungewohnt, im Mittelpunkt einer Familienfeier. Mit der Konfirmation wird der Übergang vom Kind zum Jugendlichen deutlich. In ihrer Kleidung wirken sie oft schon wie junge Erwachsene. In früheren Zeiten begann nach der Konfirmation  die Ausbildung. Das ist heute anders. Die Jugendlichen erleben die Konfirmation als Abschluss Konfirmandenunterrichts, in dem sie zwei Jahre lang etwas über Themen des Glaubens und Lebens erfahren konnten. Sie sprechen ihr eigenes Jahr zu ihrer Taufe und feiern mit der Gemeinde das Abendmahl. Anschließend dürfen sie auch das Patenamt für einen Täufling übernehmen.

Die Konfirmation ist ein Einschnitt im Leben, der manchmal erst im Nachhinein als solcher wahrgenommen wird. Wenn die Jugendlichen später ihre eigenen Lebensentscheidungen treffen, sei es in beruflicher Hinsicht oder in der Partnerwahl, dann kann die Konfirmation und die Zeit des Unterrichts für sie ein Fundament ihres eigenen Glaubens sein. In der Gruppe der Konfirmanden haben sie nicht nur gelernt, was christlicher Glaube bedeutet, sondern auch eine christliche Gemeinschaft erfahren. So werden sie gesegnet für ihre Lebensreise.

Mittendrin am 24.3.2018

Vom Hosianna zum Kreuzige ihn!

 

Am morgigen Palmsonntag steht das Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem im Mittelpunkt. Gemäß der neutestamentlichen Überlieferung wird Jesus bei seinem Einzug von einer begeisterten Menschenmenge begrüßt und mit Palmzweigen willkommen geheißen: „Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.“ Was mögen die Menschen von Jesus erwartet haben? Einen König, der die Römer aus dem Land vertreibt? Einen Heilsbringer, der alle Probleme der Menschen löst? Einen Friedensstifter, der zur Versöhnung unter den Völkern ruft? Viele Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche richten sich auf Jesus, der in die Stadt einzieht. Doch eines sollte die Menschen nachdenklich machen. Jesus zieht nicht mit einer prachtvollen Kutsche ein, er wird nicht von Soldaten und Dienern begleitet, er reitet auf einem Esel. Mit dem Lasttier der einfachen Leute ist kein Staat zu machen. So wirkt die ganze Szene merkwürdig widersprüchlich. Der gefeierte König kommt ganz bescheiden und unscheinbar zu den Menschen.

Im Lauf der Karwoche wendet sich das Blatt. Aus dem gefeierten König wird der gefangen genommene, verurteilte, geschundene und verspottete König mit einer Dornenkrone. Am Ende rufen die Menschen nicht mehr Hosianna, sondern „Kreuzige ihn!“ Beide Worte sind für Jesus Stationen seines Leidensweges, der am Kreuz endet. Damit vollendet er den göttlichen Heilsweg. Zugleich gibt er ein Beispiel dafür, wie nahe Bewunderung und Ablehnung beieinander liegen können. Wer heute verehrt wird, kann morgen schon verachtet werden. Wer heute noch mächtig ist, kann morgen schon ohnmächtig sein. So lehrt Jesu Kreuzweg Demut in der Ausübung der Macht und schenkt Trost in der scheinbaren Ohnmacht. Denn am Ende steht nicht das Kreuz, sondern die Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben.

Mittendrin am 24.2.2018 - 7 Wochen ohne Kneifen

7  Wochen ohne Kneifen

„Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen“. Mit dem Beginn der Passionszeit ist in der evangelischen Kirche wieder die Aktion „Sieben Wochen ohne“ gestartet. Fasten bedeutet in diesem Sinn nicht nur der Verzicht auf einige Nahrungs- oder Genussmittel, sondern auch auf bestimmte Verhaltensweisen. „Zeig dich!“ ist die Aufforderung, sich nicht wegzuducken, unterzutauchen oder zu schweigen, wenn Menschen schlecht behandelt, gemobbt oder gedemütigt werden. Weil Gott sich uns gezeigt, geoffenbart hat, brauchen auch wir uns nicht zu verstecken.

Wir können unser Mitgefühl zeigen, wenn Menschen in Trauer leben und getröstet werden möchten. Wir dürfen unsere Liebe zeigen, wenn wir spüren, dass Menschen sich einsam oder allein gelassen fühlen. Wir können unsere Fehlbarkeit zeigen, wenn wir etwas versäumt haben oder Fehler begangen haben. Wir sollen unsere Hoffnung zeigen, wenn Menschen in Resignation oder Gleichgültigkeit verfallen. Wir können zeigen, wofür wir stehen, wenn Wahrheit in „alternative Fakten“ verdreht wird, wenn Lügen und Beleidigungen sich verbreiten.

„Zeig dich!“ Das Plakatmotiv der evangelischen Fastenaktion stellt einen Vater mit seinem kleinen Sohn an der Hand mit hochgerecktem Arm und geballter Faust im angedeuteten Supermannkostüm dar. Sie spielen oder sind „Superhelden“ und scheuen sich nicht, das auch zu zeigen. Lebensfreude und Zivilcourage schließen sich nicht aus.

In der Passionsgeschichte geht es auch darum, sich zu zeigen, sich zu Christus zu bekennen.

Als Petrus im Hof von der Magd nach Jesus gefragt wird, antwortet er zunächst: „Ich kenne den Menschen nicht.“ Später bereut er seine Verleugnung und wird zu einem mutigen Zeugen für Christus. „Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen“.