Der Predigt-Vorbereitungskreis

... ist kein elitärer Zirkel!

„Predigtvorbereitungskreis“ – das klingt so etwas abgehoben und feierlich. Darf man denn da reinschauen? Ja, man darf; und für alle Interessierte möchte ich ein wenig die Atmosphäre bei uns zu schildern.
 
Einmal im Monat, in der Regel am zweiten Mittwoch, treffen wir uns zu Hause bei einem unserer Teilnehmer. Sechs bis acht Leute kommen da zusammen, Männer und Frauen; Pfarrer Keienburg ist eigentlich immer dabei. Wir sprechen über einen Bibeltext, jede(r) kann mitreden. Der Text ist nicht irgendein Abschnitt der Bibel, sondern einer, der an einem der folgenden Sonntage, wenn Pfr. Keienburg den Gottesdienst hält, als Predigttext „dran“ ist. „Dran“ sein bedeutet: In der für die ganze EKD, also für ganz Deutschland geltenden Text-Ordnung ist er als Bibeltext für diesen Sonntag ausgewählt. Pfarrer und Pfarrerinnen müssen nicht unbedingt über diesen Text predigen; wenn es aber keine besonderen Gründe zum Abweichen gibt (z. B. einen speziellen, themenbezogenen Gottesdienst), halten sich bei uns Pfarrer und Pfarrerin daran. Sinn der vorgegebenen Ordnung ist, dass Einseitigkeit in der Auswahl vermieden wird, dass ein Pfarrer nicht nur über seine „Lieblingstexte“ predigt. In einem bestimmten Zeitraum (sechs Jahre) sollen alle wesentlichen Abschnitte der Bibel einmal als Predigttext drankommen: In einem Jahr alttestamentliche Texte, dann Evangelien-Texte, Texte aus den Briefen usw.

Für uns als Teilnehmer ist es zu Beginn des Abends ein wenig wie bei Verlosungen, wenn ein Umschlag geöffnet wird, dessen Inhalt vorher keiner kennt: Pfr. Keienburg sagt etwas wie „In 1 ½ Wochen habe ich den Gottesdienst zu halten; der Predigttext dafür ist Matthäus 5, 13-16.“ Wir schlagen die Bibel auf und lesen reihum Vers für Vers den Text. Dann gibt es oft schon spontane Äußerungen wie „Das sagt mir im Moment gar nichts“, oder „Bei diesem Text muss ich an ein bestimmtes Erlebnis denken: ...“. Andere greifen das auf, und oft ergibt sich ein Gespräch. Manchmal gibt schon das Lesen zu Beginn einen Anknüpfungspunkt: „In meiner Bibelausgabe steht dieser Satz etwas anders“.

Wir benutzen verschiedene Übersetzungen der Bibel; wir wissen, dass die einzelnen Teile der Bibel im Urtext griechisch oder hebräisch sind und dass es manchmal sogar verschiedene Überlieferungen in den verschiedenen alten Handschriften gibt: Manche Handschriften enthalten zum Beispiel beim Vaterunser (Matthäus 6, 9-13; Lukas 11, 1-4) den abschließenden Lobpreis „Denn dein ist das Reich ...“; andere enthalten ihn nicht. Manchmal kommt es vor, dass jemand von uns, der einmal Griechisch gelernt hat, im griechischen Neuen Testament nachschlägt, aber das ist eher die Ausnahme. Die andere Möglichkeit ist, dass jemand durch den Text oder einen einzelnen Satz daraus angeregt wird, sich an bestimmte Erfahrungen zu erinnern: „Als ich einmal mit einer schwer Kranken sprach, war mir das wichtig ...“ Beides, persönliche Erfahrung und Wissen um Zusammenhänge in der Bibel, kann in das Gespräch eingehen; das ist oft das Interessante daran.

Vom Vorgehen her könnte man sagen: Es ist ein Gesprächskreis mit Bibeltexten als Anknüpfungspunkt, bei dem die Texte aus der kirchlichen Predigtreihe genommen sind. Dabei wissen wir, dass der Glaube der Autoren aus diesen Texten spricht, und dass Gottes Geist in der Lage ist, die alten Texte für uns als Hörer zum aktuellen Wort Gottes an uns werden zu lassen.

Die Aufgabe, dies in der Predigt über den Text „rüberzubringen“, können wir Pfr. Keienburg nicht abnehmen; der Predigtvorbereitungskreis ist trotz seines Namens kein Redaktionsausschuss zur Formulierung der Predigt. Die Predigt liegt nach wie vor in der Verantwortung des Pfarrers. Trotz-dem ist jede(r) ein wenig gespannt, wenn der Sonntag kommt, an dem über den Text gepredigt wird: Manchmal erwähnt Pfr. Keienburg das vor-bereitende Gespräch. Manchmal bringt er etwas ganz Neues zur Sprache, das bei unserem Gespräch noch gar nicht erwähnt worden war. Manchmal ist ein Gedanke in der Predigt enthalten, den wir, ein wenig lächelnd, wiedererkennen und bei dem wir innerlich sagen „Ja, darüber hatten wir vorige Woche gesprochen“. Auf jeden Fall kann es uns helfen, dem Ziel näher zu kommen, dass der Geist Gottes durch den Predigttext  zu uns spricht. Das ist es, warum der Predigtvorbereitungskreis auch über die hinaus, die jetzt daran teilnehmen, eine spannende Sache sein kann: Jede(r) ist dazu willkommen. 

Veranstaltungsort

Zuhause bei einem der Teilnehmer
(wechselnd)

Tag/Uhrzeit

Mittwoch, 20-22 Uhr

Nächste Termine

Information im Wegweiser (PDF)
oder bei Pfarrer Keienburg